Ethnizität und öffentliche Verwaltung. Zum staatlichen Umgang mit ethnischen Differenzen

Dauer: 2022

Dem Verhältnis von «Ethnizität und öffentlicher Verwaltung» kommt besondere gesellschaftliche und politische Relevanz zu. Der (national-)staatliche Verwaltungsapparat schafft spezifische soziale Realitäten, indem er ethnische Kategorien (re-)produziert, programmatisch aktualisiert und institutionell verankert. Wie wird Ethnizität in unterschiedlichen Bereichen der öffentlichen Verwaltung thematisiert und wie organisieren ethnische Unterschiede das Verwaltungsgeschehen mit? Lässt sich Ethnizität tatsächlich als ein signifikantes oder wirkmächtiges Ordnungsprinzip von öffentlichen Verwaltungen oder staatlichem Handeln identifizieren?

Staatliche Einrichtungen verwalten den Zugang zu vielfältigen Ressourcen. Sie erbringen dabei nicht nur Zuwendungen oder Dienstleistungen auf freiwilliger Basis, sondern verfügen häufig auch über besondere Eingriffsrechte, um rechtsstaatliche Vorgaben mit Zwang durchzusetzen. Ethnische Unterscheidungen sind hier von grosser Tragweite, besonders auch in Form von «negativen Klassifikationen», die mit benachteiligenden oder stigmatisierenden Dominanz-Effekten einhergehen können. Die Beiträge im Sonderheft fragen, wie ethnische Unterscheidungen und Kategorisierungen in Verwaltungsprozessen situativ mobilisiert, aber auch (im Sinne eines Undoing Ethnicity) verwischt oder banalisiert werden und wie sich Ethnisierungen mit weiteren arbeits- bzw. verwaltungsbezogenen Unterscheidungen und Kategorisierungen vermengen.

Die im Heft präsentierten Studienergebnisse bieten einen breiten Einblick in die aktuelle qualitative Sozialforschung zur Wahrnehmung von und dem Umgang mit Ethnizität in unterschiedlichen Bereichen der staatlichen Verwaltung in Deutschland und der Schweiz. Ihnen gelingt es, die soziale Konstruktion und Reproduktion ethnischer Humandifferenzierungen zu thematisieren, statt sie als fait social zu behandeln. Solche Analysen sind notwendig, wenn sich die Soziologie nicht an der reflexionsbedürftigen und politisch folgenreichen Verfestigung ethnischer Kategorisierungen beteiligen will.

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Prof. Dr. phil. Esteban Piñeiro
Constantin Wagner

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